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Montag, 9. Januar 2012

Teil 8 - Der Erawan Schrein einmal anders - Dunkle Schatten




Was bisher geschah......

Teil 1 - Einleitung

Teil 2 - Basisfakten

Teil 3 - Die Ausschreibung für das Erawan Hotel

Teil 4 - Baubeginn im Kalten Krieg

Teil 5 - Der Bau des Erawan Hotels

Teil 6 - Der Patron des Erawan Hotels

Teil 7 - Nackttanz für Phra Phrom



50 Years Later


Es fehlten nur noch ein paar Monate bis Phra Phrom seinen 50. Geburtstag am 9. November 2006 feiern wollte. Aber über seiner im Jahre 1956 geborenen Inkarnation im Schrein des Erawan Hotel lag ein dunkler Schatten.

Was war nicht alles bisher geschehen.

Tausende Male hatte Phra Phrom gnädig und frohen Herzens Wünsche erfüllt. Tausende Male wurde ihm dafür gedankt. Unzählige Holz-Elefanten in allen Größen wurden ihm als Dankesgabe überreicht. 






Manche so riesig und schwer, dass sie mit einem Kran auf das Areal des Schreins gehievt werden mussten. Tausende gespendete Elefanten wurden an Buddhistische Tempel und Krankenhäuser weiterverschenkt. Der Tanz der barfüssigen aber ansonsten züchtig gekleideten Nymphen nahm kein Ende. Millionen von Besuchern hatten auf ihren Knien vor Phra Phrom ihr Haupt gesenkt und ihre geheimsten Wünsche still und in Andacht geäussert.  

Die Than Tao Mahaprom Foundation Earawan Hotel hatte bisher die unglaubliche Summe von fast 800 Millionen Baht Spendengeldern eingenommen und sinnvoll in medizinische Apparate für Krankenhäuser in der Provinz investiert. 

Die Ratchaprasong-Kreuzung und Umgebung hatten sich mit Paragon und Central World zu einem modernen Shopping-Zentrum der Superlative entwickelt, bequem mit dem Skytrain zu erreichen. Thailand und besonders Bangkok erlebten nach den zwei Modernisierungsphasen in den sechziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts einen dritten Boom, der es in sich hatte. Es schien als ob Phra Phrom im Erawan Schrein seine schöpferische und gebende Hand über das gesamte Viertel gelegt hatte.  

Dies alles unterstützt durch eine Dame, die, laut Zeitungsberichten, eine Riesendankes-Show am Erawan Schrein abgezogen hatte. Demnach hatte sie Phra Phrom um Unterstützung für einen Karrieresprung gebeten. Falls erfolgreich, würde sie in einer Vollmondnacht nackt, so wie Phra Phrom sie erschaffen hatte, um die Statue tanzen. Sie bekam ihren Wunsch-Job und hatte ihr Verspechen eingelöst. Aber nicht unangekündigt. Sichtblenden wurden aufgestellt und die Dame bekam ihr privates Stelldichein mit dem Schöpfer. Ab da gab es kein Halten mehr. Nachahmer standen Schlange, sodass bald ein Nackttanzverbot ausgesprochen werden musste. Nichtsdestotrotz, der Schrein hatte seinen Ruf weg. Er hatte die Power, Wünsche zu erfüllen und es geziemte sich, ihm bei Erfüllung dafür zu danken. Wenn auch ab jetzt in gesitteter Weise durch gemietete Tänzerinnen.

Der Erawan Schrein wurde sogar zum Ort des Show Downs in einem haarsträubenden Krimi von Christopher G. Moore. „Spirit House“. Eine sehr lesenswerte Geschichte, auch, weil trotz aller Fiction Christopher G. Moore ganz nebenbei ein detailliertes Bild über die Großstadtwelt in Bangkok liefert. 





Das Jahr 2006 war politisch gesehen eine recht bewegte Zeit. Der 2005 wiedergewählte Premier Thaksin Shinawatra, im Jahre 2001 zum ersten Mal gewählt, hatte als erster Premier in Thailand eine volle Legislaturperiode von vier Jahren überstanden, war mitten in der zweiten und auf dem besten Wege, eine autoritäre Demokratie der Reichen und Unverschämten zu etablieren, die den alten Traditionen nicht mehr den gewohnten Stellenwert einräumte und, obwohl unausgesprochen, die Rolle des Königshauses und des Privy Councils (Kronrat) nur noch als taktische Beigabe betrachtete, die es in trügerischer Sicherheit zu wiegen galt. Die traditionell politische Rolle des Militärs wurde langsam aber sicher beschnitten. Die Regierungsmacht und die Macht in den Aufsichtsräten grosser staatlicher und privater Firmen verteilte sich schleichend und immer mehr auf einflussreiche zivile Geschäftsleute.

Ziviler Widerstand machte sich in den Strassen breit und legte an manchen Wochentagen den ohnehin zähen Verkehr an der Ratchaprasong-Kreuzung völlig lahm. Nicht von ungefähr wählten die Demonstranten unter der Leitung des Medien-Moguls Sondhi Limthongkul und des asketischen Ex-Generals Chamlong Srimuang die Farbe gelb. Die Farbe des Königs. Dies versprach Schutz, Sicherheit und eine gewisse Unantastbarkeit. Die Bewegung nannte sich PAD, People's Alliance for Democracy, und es schien zunächst, dass diese Bewegung es mit der Forderung nach mehr Demokratie wirklich ernst meinte.
 
Bangkok erlebte zwar seinen dritten Boom nach den sechzigern und achtziger/neunziger Jahren. Nur, der erreichte die einfachen Leute nicht mehr. Im Gegenteil. Alles wurde teurer. Ungelernt und ungebildet zu sein, hieß, vom Wohlstand, der überall durch neue und riesige Kaufhäuser, Hotels und unzählige moderne Autos sichtbar wurde, abgenabelt zu sein. Einheimische Hilfsarbeiter wurden, zwar nicht neu, aber zunehmend in immer grösserer Zahl durch billige Burmesische und Kambodschanische Kolonnen ersetzt. Lediglich die Landbevölkerung empfand sich endlich von der Zentrale Bangkok erhört. Das "flat rate Gesetz" der medizinischen Versorgung für den Preis von 30 Baht und die von Thaksin eingeräumte lokale Mitbestimmung über die Verwendung von finanziellen Mitteln in den ländlichen Gemeinden ließen Euphorie aufkommen

Und nicht zu vergessen. Am Sylvesterabend 2005/2006 explodierten in Bangkok eine Reihe von Bomben meist in Mülleimern versteckt über die gesamte Stadt verteilt. Drei Menschen wurden getötet, mehrere schwer verletzt. Zwei Bombenanschläge ereigneten sich ganz in der Nähe des Erawan Schreins kurz nach Mitternacht. Die öffentlichen Feiern nahmen ein jähes Ende.




Der Erawan Schrein war für viele in Bangkok die letzte Enklave der Hoffnung und erlebte ungeahnte Aufmerksamkeit. Buddhismus spendete kaum noch Trost in einer aufstrebenden materialistischen Welt, die für viele unerreichbar war, ja, sogar eine Bedrohung darstellte. Slums mussten hochherrschaftlichen Gebäuden weichen, Grundnahrungsmittel wurden stetig teurer. Für die sowieso schon Armen wurde es noch enger. 

„Tambun“, im buddhistischen Sinne karmische Verdienste erringen,  war und ist  gut fürs nächste Leben, aber „li ang pi“, Geister- oder Spirit-Anbetung, versprach und verspricht Hilfe im Hier und Jetzt. 

"Phra Phrom stehe uns in diesem Leben bei und erhöre unsere Wünsche. Wir werden wieder kommen und es dir großzügig danken."

Der 21. März, 2006, ein Dienstag, versprach ein Tag wie jeder andere zu werden. Während der Premier Thaksin auf die Frage, wie hoch er sein Vermögen denn einschätze, hätte sagen können: „vor oder nach ihrer Frage?“, stellten sich die Mittellosen auf die nächste 1 Baht Erhöhung für Grundnahrungsmittel und Benzin ein und schnallten die Gürtel enger.

Es war nach Mitternacht, die meisten schliefen schon, von den Nachteulen einmal abgesehen. Der Schrein sah seiner täglichen Schließung entgegen. Die Girlanden-, Räucherstäbchen-, Kerzen- und Lotusknospenverkäufer hatten ihre Stände schon abgeräumt. Straßenkehrer säuberten die Gehsteige von Unrat. Taxis fuhren im Schritttempo in der Hoffnung, noch letzte Besucher aufzugabeln. Unauffällig verliess ein junger Mann zu ungewohnter Zeit sein zu Hause unweit des Erawan Schreines. Man sah ihm nicht an,  welch düstere Gedanken ihn bewegten...

Fortsetzung folgt