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Mittwoch, 28. Dezember 2011

Thailand 2011 - Die grosse Flut


                            Bangkok unter Wasser - Victory Monument 1942

Die Regenzeit im Jahre 2011 hat es besonders in der "Reisschüssel", eine riesige und ausgedehnte Ebene in Zentral-Thailand nördlich von Bangkok, gelinde gesagt, etwas übertrieben.  Dieser fruchtbare Landstrich entlang des majestätischen Chao Phraya Flusses wird seit Jahrhunderten, vielleicht sogar seit Jahrtausenden, für den Reisanbau mit mehreren Ernten pro Jahr genutzt. Unzählige Zuflüsse aus Nord-Westlicher und Nord-Östlicher Richtung liefern auch im entfernter gelegenen Umland das kostbare Nass für die Reisfelder in diesem weiträumigen Flachland.

Überschwemmungen in dieser Ebene sind während des Monsuns (etwa Juli bis Oktober) seit Menschengedenken die Regel. Eine Regel, auf die sich die Menschen eingestellt hatten. Der Chao Phraya und seine Nebenflüsse traten, und tun es heute noch, fast jährlich über die Ufer. Man überliess die Wohnstätten in Flussnähe und die vor der sengenden Sonne schützenden strohbedeckten Bambushütten in den Feldern dem Wasser und zog ins etwas weiter entfernte eigene Heim oder das von Verwandten. Heime, die traditionell auf zwei bis vier Meter hohen Stelzen gebaut waren. Man parkte sein Boot vor der Haustüre, oder wenn es ganz schlimm kam, vor den Fenstern oder der Veranda im ersten Stock. Nach dem Ende der Regenzeit reparierte bzw. baute man die Hütten am Fluss und in den Feldern wieder auf oder putzte die untere Etage der Häuser auf Stelzen und gut war's.

Auch Bangkok blieb während der Regenzeit nie verschont. Diese Stadt steht dem natürlichen Abfluss des Wassers aus dem Norden und der Zentralebene in den Golf von Siam sozusagen im Wege. Zu Zeiten, als der Verkehr in der Stadt noch ausschliesslich auf den Khlongs (Kanälen) stattfand und es so gut wie keine Strassen gab, bedurften Überschwemmungen kaum einer Umstellung und waren so gut wie kein Problem. Im Gegenteil. Es gab dann während der Regenzeit nicht das übliche Verkehrschaos auf den engen Khlongs, da sich die Fläche für den Bootsverkehr durch das sich während der Regenzeit ausbreitende Wasser immens vergrösserte.

Störend wurde der Monsun in Bangkok erst zu Rama V Zeiten. Während seiner Regentschaft von 1868 bis 1910 modernisierte er Bangkok im europäischen Stil der damaligen Zeit. Er liess Strassen bauen und Strassen- und Eisenbahnen übernahmen neben den Booten auf den Khlongs Teile des öffentlichen Verkehrs. Die ersten Autos tuckerten über die damals noch meist sandigen Pisten und hupten die Pferdekutschen in Grund und Boden, damit sie Platz machten. Während der Regenzeit brach dieser öffentliche Verkehr regelmässig zusammen. Aber das normale Leben ging weiter. Man bewegte sich dann in der Stadt halt wieder ausschliesslich auf Booten weiter.

Als Bangkok in die Breite ging, weit über die einst ummauerte Altstadt hinaus und nach dem zweiten Weltkrieg, besonders Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts, die zweite einschneidende Modernisierungsphase dieser Metropole eingeläutet wurde, wurde die Regenzeit zu einem echten Problem in der Stadt. Die Strassen waren mittlerweile nach europäischem Standard befestigt. Die meisten Khlongs bis auf wenige Ausnahmen zugeschüttet. Knietiefes bis hüfthohes Hochwasser in den Strassen legte dann die gesamte Stadt lahm. Die Boote auf den wenigen übrig gebliebenen Khlongs konnten das Verkehrsdefizit nicht mehr ausgleichen. Ebenso konnten die wenigen Khlongs die Stadt nicht mehr so schnell "entwässern" wie früher. Eine Lösung musste gefunden werden.

Die Devise hiess: einigeln. Die immer noch unzähligen Khlongs um die Stadt herum wurden mit einem ausgeklügelten System von Schleusentoren versehen, deren Mechanik dafür sorgte, dass das Hochwasser um die Stadt herum geleitet und möglichst gleich in den Chao Phraya Fluss abgeleitet wurde, ehe es zum Problem für den Stadtkern wurde. Das funktionierte bis auf Ausnahmejahre, wie z.B. 1942 (siehe Bild oben), recht gut. Nicht zuletzt auch, weil die Zentralebene als natürliches Auffangbecken in der Lage war, grosse Wassermassen aufzunehmen. Die Stadt Bangkok litt auch in den Jahren danach sporadisch unter Hochwasser. Im Jahre 1986 z.B. fuhren auf der berühmten Sukhumvit Road die Boote.

Aber 2011 darf als Ausnahmejahr betrachtet werden. Was war geschehen? Führten die Auswirkungen des Klimawandels zu dieser Katastrophe? Ist die stetig fortschreitende Abholzung der Urwälder in Thailand schuld? Ein uneingeschränktes "Ja" auf diese Fragen wäre zu einfach, viel zu bequem und widerspricht der Geisteshaltung eines gebildeten und informierten Menschen. Besonders der Menschen, die gerne hinterfragen und die bei solch schnell gegebenen Antworten sofort zweifelnd hellhörig werden. Wie immer ist die Antwort für die Gründe dieses Hochwassers in Thailand und besonders die Situation in Bangkok im Jahre 2011 vielschichtig. Im folgenden ein Versuch, etwas mehr Licht auf dieses Naturereignis zu werfen.

1. La Nina. Es ist eine alte Binsenweisheit, dass die Auswirkungen des La Ninas auf Thailand während der Regenzeit schon immer spürbar waren. Die Regenzeit ist immer   dann sehr ausgedehnt und besonders ergiebig. Historisch gesehen kam es während der La Ninas schon immer zu Überschwemmungen in Thailand. Überschwemmungen die Bangkok betrafen oder zumindest gefährdeten. Gerade im Jahre 2011 herrschten La Nina Bedingungen. Falls Bedingungen für das Gegenstück La Ninas herrschen (El Nino), ist es in Thailand knochentrocken.

2. Die Reisschüssel...hat als Auffangbecken weitestgehend ausgedient. Auto- und High Tech Industrie haben inmitten dieses Beckens ihre riesigen Fertigungsstätten errichtet, Lebensmittel- und Getränkeindustrie ihre Lager und Verpackungsstätten. Unzählige und ausgedehnte Wohnsiedlungen mit Einfamilienhäusern befinden sich in deren Umgebung. Das Land war billig und lockte die Investoren.

3. Die Stauseen...waren zu Beginn der Regenzeit randvoll. Ein Unding, besonders zu La Nina Zeiten. Sie fielen damit als Auffangbecken für die Nebenflüsse des Chao Phrayas aus. Schlimmer noch - sie mussten während der Regenzeit zusätzliches Wasser ablassen um die Dämme nicht zu gefährden.

4. Drei aufeinanderfolgende Unwetter. Während es zu normalen Monsun-Zeiten meist nur einmal während einiger Tage zu übermässig lang anhaltenden Wolkenbrüchen und Regenstürmen kommt, waren es im Jahre 2011 gleich drei und zwar unmittelbar aufeinander folgend. Selbst eine unversehrte "Reisschüssel" hätte kaum eine Chance gehabt, das Wasser zu absorbieren. Die Nebenflüsse des Chao Phrayas sorgten ständig für Nachschub, der nicht schnell genug in den Golf von Siam transportiert werden konnte.

5. Die Bastion Bangkok...hat besonders gut funktioniert. Das meiste Wasser wurde im Norden von Bangkok gestaut und westlich und östlich um die Stadt herum geleitet. Das aber mit verheerenden Folgen für diese Gebiete, die mittlerweile recht dicht besiedelt sind. Die künstliche Bastion Bangkok führte zu einem ungewöhnlichen Anschwellen des Wasserpegels nördlich von Bangkok und dauerte zudem unnötig lange, weil die Schleusentore in den Khlongs dort wegen mangelnder Wartung nicht richtig funktionierten. Zudem waren die Khlongs zugemüllt, zum Teil mit Wasserhyazinthen überwachsen und durch illegale Bautätigkeiten eingeengt. Die Khlongs im Norden von Bangkok waren nicht in der Lage, das Wasser schnell genug in den Chao Phraya Fluss abzuführen. Bangkok blieb verschont...bis den Einheimischen im Norden der Geduldsfaden riss. Sie zerstörten Sandsackbarrieren, die die Innenstadt bisher schützten, und der nördliche Bezirk der Stadt - Don Mueang - in dem sich der alte internationale Flughafen befindet, wurde über einen Meter hoch überflutet. Das Wasser erreichte den Chatuchak Bezirk, aber bereits auf Höhe des berühmten Chatuchak Marktes sank der Pegel auf wenige Zentimeter. Das Victory Monument ein paar Kilometer weiter südlich blieb verschont, genauso wie die Innenstadt. Mit Ausnahme der Altstadt in Nähe Fluss, wo fast jedes Jahr das Wasser mindestens Knöcheltief steht, blieb Bangkok City trocken.

Soweit meine sicher unvollständige Aufzählung der verschiedenen Gründe für das lang anhaltende Hochwasser im Jahre 2011. Klimawandel und Abholzung haben sicherlich ihren Teil beigetragen, wären aber sicherlich mit intelligenter Planung abzufedern, wenn nicht sogar in ihrer Rolle vernachlässigbar gewesen. Die Zukunft verspricht nichts Gutes in diesem Zusammenhang, denn der Tag wird kommen, in nicht allzu ferner Zukunft, wo die Antwort auf die Fragen: "Führten die Auswirkungen des Klimawandels zu dieser Katastrophe? Ist die stetig fortschreitende Abholzung der Urwälder in Thailand schuld?" ein eindeutiges "Ja" sein werden.

Das Leid der betroffenen Menschen war gross. Abgesehen von denen, die ihr Leben lassen mussten, verloren unzählige ihr Hab und Gut und ihre Existenz. Im Gegensatz zu denen, die es sich leisten konnten, nötige Vorbereitungen zu treffen, die Sachen zu packen und für ein paar Wochen eine Wohnung in einem unbetroffenen Gebiet zu mieten. Besonders beliebt waren Chonburi, Pattaya und - ganz mondän - Hu Hin im Süden.

So auch im Falle meiner Sponsoren-Familie in Don Mueang. Lange dachte sie, dass das Wasser nie und nimmer Don Mueang gefährden könne. Don Mueang lässt sich mit "erhöhter Ort" oder "Ort auf einem Hügel" übersetzen. Mit ein Grund, warum damals hier der Internationale Flughafen gebaut wurde. Nämlich um einigermassen sicher vor Überschwemmungen zu sein.

Nachdem das Gerede der Politiker und Katastrophen-Manager immer katastrophal verblödeter und unprofessioneller wurde, schaffte sie alles, was Schaden nehmen konnte mit Hilfe der Nachbarn in den 1. Stock, beauftragte einen "Aufseher", zog mit dem Nötigen in eine komfortable Wohnung in Pattaya und sass das Hochwasser aus. Helmut Kohl hätte es nicht besser machen können. Das Erdgeschoss stand fast einen Meter unter Wasser. Ein Segen, dass hier meist ohne Keller gebaut wird, denn ein vollgelaufener Keller kann ein ganzes Haus zerstören, besonders wenn der Öltank aufschwimmt, die Rohre brechen und der Keller voller Diesel ist. Dann hilft nur noch abreissen.

Das Hochwasser in Don Mang hielt sich einige Wochen. Nachdem es Anfang Dezember vollständig abgelaufen war, stellte sich heraus, dass nichts im Haus fehlte und lediglich das Erdgeschoss versaut und der Garten hin war.

Es gibt keine Beschwerden und kein Jammern. Der Schaden verblasst hinter dem Leid vieler anderer. Eine der eigenen gut situierten finanziellen Lage angepasste Geldspende in einen Hilfsfond für die Geschädigten war selbstverständlich...

Hier noch einige Bilder vom Garten. Wie er einmal aussah, wie er volllief und was davon übrig blieb, rein zu Dokumentationszwecken. Wie gesagt - nicht der Rede wert.


So sah es einmal aus vor Jahren. Leider habe ich kein aktuelles Bild von vor der Flut. Der Garten war inzwischen aufgeblüht, die Sträucher grösser. Ich habe diese Bilderserie gewählt, weil die Sitzecke einen hervorragenden Massstab dafür hergibt, wie hoch das Wasser stand.


Und dann kam das Wasser. Die Sitzecke ging baden, bekam aber noch Luft. Noch blühten die Sträucher und Blumen.



Und dann verschwand die Sitzecke vollständig.


Das Resultat. An der Mauer lässt sich gut erkennen, wie hoch das Wasser stand.


Im Gegensatz zu den Palmen und anderen Bäumen (nicht auf dem Bild) hat der Champaka Baum nicht überlebt. Er gehört zur Magnolia Familie. Seine Blüten sind wohlduftend und werden unter anderem zu Parfüm, Seife, Öl und Räucherstäbchen verarbeitet.

Der Baum ist nach hinduistischem Glauben Lord Vishnu, dem Erhalter, in seiner Inkarnation als Krishna geweiht. Wie es scheint, wusste auch er kein Mittel gegen die Flut...
                           

Freitag, 5. August 2011

Der ehemalige Sex-Massagen-Baron Chuwit sorgt im Parlament für nacktes Entsetzen.



Diesmal stellte Chuwit zwar nicht seine Kunstfertigkeit im Planking zur Schau, sorgte aber anderweitig für erhebliche Aufregung.



Wie von allen Schelmen erhofft, zeigte sich Chuwit für den ersten Eklat im neugewählten thailändischen Parlament verantwortlich. Als es um die Sitzordnung ging, konnte sich Chuwit nicht damit abfinden, als kleinbesetzte Partei an den Rand gedrängt zu werden. Ausserdem gefielen ihm seine Sitznachbarn nicht. Er vertauschte daraufhin die Namensschilder zum Erstaunen und Entsetzen der Kollegen um in der Mitte der ersten Sitzreihe platz zu nehmen. Von dort aus sieht er, als "Wachhund", den Sprechern sozusagen ins Auge.

Vom Parlamentssprecher verwarnt, stand Chuwit in Protesthaltung auf, ohne sich von seinem selbstgewählten Sitz zu entfernen. Daraufhin bat der Parlamentssprecher zwei uniformierte Ordnungshüter, Chuwit zu seinem ihm zugewiesenen Platz zu begleiten.

Die Ordnungshüter salutierten vor Chuwit, dieser schüttelte grinsend beiden die Hand zum Grusse und setzte sich wieder. Danach salutierten die Ordnungshüter, drehten sich um und entfernten sich. Auftrag erledigt? Grosses Gelächter im Parlament. Chuwit feixte vergnüglich.

Nach Beschwerden von anderen Parlamentsmitgliedern und einem Verweis des Parlamentssprechers wurde Chuwit schliesslich von Uniformierten aus dem Saal hinaus begleitet. So verpasste er die Wahl Yinglucks zur  ersten Premierministerin Thailands.



Yingluck wurde mit der komfortablen Mehrheit von 296 Stimmen gewählt.

Nach der Abstimmung durfte Chuwit wieder hinein und ihm wurde gnädig seine Stimmabgabe gewährt. Hier das Youtube Video dazu. Es ist zwar in Thai, aber um Chuwit zu verstehen, braucht es oft keine Worte.





Dieser Fall der Unzufriedenheit mit der Sitzordnung erinnert kolossal an Wehners Zeiten im deutschen Bundestag. Damals gab es eine alphabetische Sitzordnung von A – Z. Namen mit Anfangsbuchstaben „A“ ganz vorne und die mit „Z“ ganz hinten. Auf die Beschwerde eines Abgeordneten mit einem Anfangsbuchstaben gegen Ende des Alphabets hin, rief Wehner in den Saal:

„Nennen sie sich doch Arsch. Dann können sie ganz vorne sitzen.“

Leider sind diese interessanten Zeiten im deutschen Bundestag längst vorbei. In Thailand brechen sie wohl gerade an... 

Freitag, 22. Juli 2011

Teil 7 - Der Erawan Schrein einmal anders - Nackttanz für Phra Phrom


Der Erawan Schrein 1963

Im Hintergrund das alte Erawan Hotel bevor es im Jahre 1987 abgerissen und 1991 durch das Grand Hyatt Erawan ersetzt wurde.

Offensichtlich hatte der Erawan Schrein 1963, sieben Jahre nach seiner Errichtung, seine Schuldigkeit längst getan. Phra Phrom hatte das ungünstige Datum der Grundsteinlegung mehr als ausgeglichen. Das Hotel lief trotz der ursprünglichen Bedenken recht gut. Bangkok wurde beliebter Tagungsort für internationale Konferenzen. SEATO, UNICEF, WHO, ICAO, FAO und UNTAB eröffneten Büros in der Stadt. Interessanterweise war es das Gaysorn, welches 1962 ein erstes Kaufhaus an der Ratchaprasong Kreuzung eröffnete. Allerdings ohne Luxusartikel, so wie wir sie von heute kennen.

Die Einheimischen nahmen davon kaum Notiz. Vermutlich war Phra Phrom für sie lediglich ein Patron der Geschäfte der Polizei Generäle und der Militärregierung. Die ehemaligen Bauarbeiter trugen auch nichts zur Legendenbildung bei. Die waren sicherlich froh, dem Stress der Fertigstellung des Erawan Hotels endlich entronnen zu sein. Für mindestens sieben Jahre fand der Schrein keine öffentliche Beachtung, die  über seine Bedeutung als Patron des Hotels hinaus ging.




1965 sah es schon etwas anders aus. Der Schrein ist mit Blumengirlanden geschmückt. Es sind aber keine Leute in seiner unmittelbaren Umgebung zu erkennen. Er ist noch nicht von der Strasse her zugänglich. Falls dieses Foto kurz nach einem Jahrestag, dem 9. November, entstanden sein sollte, wäre der noch spärliche Girlandenschmuck leicht zu erklären.
 
Das Erawan Hotel und das Gaysorn Kaufhaus waren die Pioniere dieses Viertels an der Ratchaprasong Kreuzung, welches in den Siebzigern und Achtzigern einen ungeahnten Aufschwung erlebte. Heute ist es DAS Shopping Zentrum Bangkoks überhaupt. Das Paragon und das CentralWorld sind die herausragensten Vertreter.

Ist es das, was der Erawan Schrein nach vielen Jahren plötzlich in den Augen der Leute symbolisierte? Fortschritt, Wohlstand und Konsum? War es vielleicht der Wunsch, an all diesen Errungenschaften teilzunehmen? Sah man in dem derzeit einzigen göttlichen Schrein an der Ratchaprasong Kreuzung auf einmal einen Garant, der diese Gunst gewähren konnte? Und musste zur Untermauerung dieser gnädigen Fähigkeiten nicht eine Legende im Nachhinein gestrickt werden?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Fest steht nur, dass dieser Schrein lange Zeit überhaupt keine Beachtung fand und erst ab Mitte der 60er Jahre in das öffentliche Bewusstsein drang, viele Jahre nach seiner Einweihung. Und das genau zu jener Zeit, als der erste Bangkok Boom die Herzen aller höher schlagen ließ.

Es wird berichtet, dass während der Zeit des ersten Aufschwungs Bangkoks in die Moderne eine Dame vor Phra Phrom auf ihre Knie ging, eine Kerze und Räucherstäbchen anzündete und Blumengirlanden spendete. Dabei äußerte sie ihren innersten Wunsch. Phra Phrom möge doch bitte so gütig sein und ihr beim Erlangen einer hochdotierten Position in einer Firma behilflich zu sein. Falls ihr Wunsch wahr würde, käme sie in der darauffolgenden Vollmondnacht zurück um nackt für Phra Phrom zu tanzen.

Der Traum der Dame wurde wahr und sie wusste, dass sie ihr Versprechen einhalten musste. Das Hotel ließ Sichtblenden um den Schrein errichten und in besagter Vollmondnacht kam es zu einem Stelldichein zwischen der dankbaren und nun nackten Dame und Phra Phrom.

Manch Außenstehendem mag dieser Tanz in einem offiziell prüden und erzkonservativen Land völlig unangebracht vorkommen. Wer aber weiß, dass die Hindu-Götter sich gerne die Ewigkeiten von halb bis ganz nackten Tänzerinnen versüßen lassen, wundert sich nicht. Die göttlichen Nymphen, genannt Apsara, sind ein integraler Bestandteil des Hindu-Parthenons, der auch von den buddhistischen Thais in unzähligen Legenden übernommen wurde.      



Man findet diese Apsara besonders als Relief an alten Khmer-Tempeln oder als freistehende Figur, meist in doppelter Ausführung, in freizeitlichen oder touristischen Anlagen in Thailand. Die Dame hat sich demnach nach Erfüllung ihres Wunsches als göttliche Nymphe zur Erbauung Phra Phroms präsentiert. Das zeigt, wie wohl überlegt ihr Versprechen war. Was mehr kann man als Frau und Mensch einem Gott bieten, der ansonsten schon alles hat?



Die Tageszeitungen berichteten enthusiastisch über diesen Vorfall. Die Nachricht über Phra Phrom, der Wünsche erfüllt, verbreitete sich in Windeseile. Es gab Nachahmer. Die Stadtverwaltung sah sich genötigt, ein Nackttanzverbot auszusprechen. Um den Erawan Schrein jedoch war es geschehen. Er wurde über Nacht berühmt und eine erste Grundregel etablierte sich, nämlich mit seinen Wünschen ein Versprechen zu verbinden, ein Tanz für Phra Phrom.

Da Nackttanzen verboten wurde, sehen wir heute die sorgfältig geschminkten und in Sukhothai-Tradition gekleideten Frauen zu traditioneller Musik für einen Obolus tanzen, wenn jemand nach erfülltem Wunsch sein Versprechen einlöst.

Auf Grund des Namens des Schreines, Erawan der dreiköpfige Elefant, werden zusätzlich besonders Holzelefanten in jeder Größe gestiftet.            

Es gab aber noch andere Faktoren, die zur Berühmtheit des Erawan Schreines beitrugen. 1960 wurde die “Tourism Organization of Thailand“, kurz TOT, gegründet. Später TAT genannt, “Tourism Authority of Thailand”. Lt-General Chalermchai Charuvastr war ihr erster Direktor. Chalermchai gehörte ebenfalls dem Board of Directors der Firma: Thai United Hotel and Tourism Co. Ltd an. Dieser staatlichen Firma, die das Erawan Hotel baute.

Er begegnet uns noch einmal, nämlich als derjenige, der 1969 anregte, eine Erawan Schrein Stiftung zu gründen. Die Spenden überstiegen inzwischen den Betrag, der notwendig war, den Schrein in Ordnung zu halten. Bald darauf übernahm er den Vorsitz auch in dieser Einrichtung.

Die wichtigsten Eckdaten sind wie folgt:

1956 Einweihung des Erawan Schreins
1960 Gründung der “Tourism Organization of Thailand“, später TAT genannt
196x Nackttanz irgendwann in den sechsziger oder siebziger Jahren
1969 Gründung der Erawan Schrein Stiftung
 
13 Jahre Entwicklung hin zur mittlerweile weltweit bekannten Attraktion. Und immer dabei ein Name: Lt-General Chalermchai Charuvastr, Gründungsmitglied der Firma für den Bau des Erawan Hotels, Gründungsvater der TAT, also der Tourismus-Industrie in Thailand und Gründer der Erawan Schrein Stiftung. Der Mann verstand sein Handwerk.

Die Geschichte des Erawan Schreins lässt sich auf viele Art und Weisen erzählen. Dieser Beitrag ist eher auf der faktischen Seite. Jeder möge sich seine eigene Meinung bilden. Und wer die Legende vorzieht, darf weiterhin fröhlich daran glauben.

Noch einmal sollten Sichtblenden und weiße Tücher den Schrein vor Blicken schützen. Zunächst in seiner Gesamtheit, dann nur den Blick in den Schrein hinein verhindernd. Aber nicht wegen einer Sondergenehmigung für Nackttanzen, sondern auf Grund einer Katastrophe die Phra Phrom wenige Monate vor seinem 50. Geburtstag im Jahre 2006 heimsuchte... 

Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 13. Juli 2011

Thailandwahlen - Chuwit der Wachhund



Vom Sia Ang, Bade-Pate, zum Wachhund


 Der Tag, als Chuwit zum Politiker wurde

Manchmal werden Gebete erhört. Als ich vor den Wahlen den Wahlkampf von Chuwit, auch Chuvit geschrieben, erläuterte, äusserte ich den Wunsch, dass er doch bitte schön ins Parlament gewählt werden möge. Einfach um den Spassfaktor während der meist langweiligen Sitzungen zu erhöhen.


Chuwit Kamolvisit hat es geschafft. Seine „Rak Prathet Thai“, „Ich liebe Thailand“ Partei“, wird mit vier Sitzen im Repräsentantenhaus vertreten sein.

Chuwit hat seinen „Sieg“ in gewohnter Umgebung gefeiert. Die Gratulationen der Damen waren vermutlich überschwänglich, grenzenlos und voller Hingabe.




Chuwit steht zu seinem Wahlversprechen und sieht seine Hauptrolle als dritte Kraft neben Regierungskoalition und Oppositions-Parteien. Schon im Wahlkampf hatte er darum gebeten, ihn als Wachhund gegen die Umtriebe der „bösen“ Politiker zu wählen. Er würde ein ständiges Auge auf ungebührliches und korruptes Verhalten der Politiker werfen und es gegebenenfalls öffentlich anprangern.

Seine Hauptmission bestände zunächst aus fünf Punkten:

1. Überprüfung der Kabinettsmitglieder auf ihre Eignung für ein politisches Amt

Er würde der Regierung sechs Monate einräumen um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Altgedienten Ministern würde er lediglich einen Monat zubilligen um zu zeigen, dass sie die erwartete Arbeit leisten. Am verwerflichsten fände er, wenn Politiker ihre Ehepartner oder Kinder als ihre Nachfolger nominieren. Thailand wäre schliesslich keine „Firma“. Chuwit nannte auch gleich ein Beispiel namentlich, Maj. Gen. Sanan Kachornprasart, Chefberater der Chart Thai Pattana Partei. Dieser solle gefälligst darauf verzichten, seinen Sohn als Nachfolger für seinen Kabinettssitz zu nominieren.

2. Dringende Aufforderung zur Aufklärung der Vorfälle im Mai 2010 im Zusammenhang mit den „Roten“, die zu fast 100 Toten und unzähligen Verletzten führten.

3. Beobachtung der neuen Regierungspartei, Pheu Thai, in Bezug auf die Implementierung ihrer Wahlversprechen

4. Beurteilung der Regierungspartei im Hinblick auf ihre Fähigkeit, die wirtschaftlichen Probleme Thailands zu lösen

5. Etablierung seiner eigenen Partei, Rak Prathet Thai, als effiziente Oppositionspartei   

Man darf gespannt sein, wie und mit welcher Energie Chuvit seine selbstgestellten Aufgaben angehen wird. Möglichkeiten zum Abbau von Stress, verursacht durch den politischen Alltag, hat er ja genügend. 


Das thailändische Fernsehen zeigt ihn hingegen als liebenden Familienvater...

Freitag, 8. Juli 2011

Thailand hat gewählt


Frau Yingluck Shinawatra (mit Elvis-Lippe)

Während des Wahlkampfes standen die Hauptkontrahenten öfters im Regen und hofften beide auf Sonnenschein.




Am Mittwoch, den 6. Juli, 2011, veröffentlichte die Wahlkommission das vorläufige Endergebnis.  Die Pheu Thai Party mit der Spitzenkandidatin Yingluck Shinawatra, der Schwester des im Exil lebenden durch einen Militär-Coup gestürzten Premiers Thaksin Shinawatra, sicherte sich mit 265 von insgesamt 500 Sitzen im Repräsentantenhaus die absolute Mehrheit.

Die Democrat Party erreichte lediglich 159 Sitze.

Die durchschnittliche Wahlbeteiligung war recht hoch. 75% der Wahlberechtigten von insgesamt 35 Millionen gaben ihre Stimme ab. Wobei die Wahlbeteiligung im nördlichen Lamphun mit knapp 89% am höchsten lag, gefolgt von Chiang Mai, ebenfalls im Norden und Trang im Süden.

Etwa 1,7 Millionen, oder 4,9% der Stimmen für die unterschiedlichen Parteien sind ungültig.

Etwa 2 Millionen, oder 5,8% der Stimmen für die Wahlkreiskandidaten sind ungültig.

Etwa 1,4 Millionen oder 4% der Wahlberechtigten folgten dem Aufruf der „Gelben“ und deren „Wählt keine Tiere ins Parlament“-Kampagne und kreuzten „No Vote“ an. Siehe hier:


Wählt keine Tiere ins Parlament  

Die geografische Verteilung des Wahlergebnisses sieht folgendermassen aus. Wobei die Pheu Thai Party durch „Rot“ und die Democrats Party durch „Blau“ repräsentiert werden.



Eine glückliche Yingluck einigte sich bereits mit vier weiteren Parteien, eine Koalitionsregierung zu etablieren. 



Ihr Ziel von insgesamt 300 Regierungssitzen im Repräsentantenhaus hat sie erreicht. Yingluck wird voraussichtlich die erste Frau an der Regierungsspitze in Thailand sein. Ihre Partei wird die Regierungsgeschäfte im August übernehmen.


Da die Pheu Thai Party offensichtlich nicht nur von den Unterprivilegierten und armen Landbevölkerung gewählt wurde, sondern auch von der Mittelklasse, hier fünf nicht ganz ernst gemeinte Gründe:

Eine "mia noi" ist eine Nebenfrau.

Wieder einmal hat sich bewiesen, dass die Democrat Party nur schwerlich Wahlen gewinnen kann. Lediglich 1948, 1976 und 1992 ging sie bei den Wahlen als stärkste Partei hervor, allerdings ohne je die absolute Mehrheit zu erreichen. Der jetzige Premier Abhisit gestand seine Niederlage ein und plant sein Amt als Parteivorsitzender der Democrat Party niederzulegen.

Was zunächst nach fairen Verlierern aussah, hat sich mittlerweile relativiert. Ein Rechtsanwalt der Democrat Party bereitet inzwischen eine Anzeige mit dem Ziel vor, die Siegerpartei Pheu Thai verbieten zu lassen. 

Ein solch klares Wahlergebnis birgt in sich die Chance, dass Thailand nach fünf turbulenten Jahren politisch und gesellschaftlich zur Ruhe kommt. Das Militär und die sog. „Elite“ dürften sich notgedrungen arrangieren. Ein Militär-Coup oder weitere Gerichtsbeschlüsse, die das Wahlergebnis, wie zuvor geschehen, auf den Kopf stellen, würde Thailand vor der Welt endgültig lächerlich machen und, viel schlimmer, voraussichtlich zu einem Bürgerkrieg führen.



Hoffen wir, dass Yingluck und den Thais dieses frohe Lächeln nie vergeht... 

      

Donnerstag, 23. Juni 2011

Planking in Thailand nicht mehr aufzuhalten...

Planking im Büro, Bangkok


Planking auf der Männertoilette


Planking auf der Treppe



Planking zu Hause



Planking auf dem Obststand 

Pabpiab und Nackt-Planking in Thailand

 



Nackt-Planking ist unmoralisch

Planking und kein Ende. Es ist schon erstaunlich, mit welchen Themen sich die  Kulturoberaufseher Thailands beschäftigen, wenn Gefahr durch ausländische Modetrends droht.

Chuwit Kamolvisit, ehemaliger Massagesalon-Tycoon und Führer der Rak Thai Party posierte anläßlich eines Wahlkampfauftritts in Si Racha, konnte aber nicht umhin, dabei eine Hand zu heben und in die Kamera zu winken.

Siehe Blog-Eintrag: Chuvit Wahlkampf

Da es sich bei Planking um eine australische Erfindung handelt, kann dies für Thailand nicht gut sein, denn einige australische Webseiten setzen sich recht kritisch mit den politischen Verhältnissen in Thailand auseinander. 

Sofort entstand eine Gegenbewegung, die sich in Facebook einer wachsenden Beliebtheit erfreut: Thais setzten sich in traditionell halbkniender Manier auf den Boden „Pabpiab“ und lassen sich ablichten.






Kulturoberaufseherin Ladda Tangsupachai war begeistert und pries diese Gegenbewegung: Junge Thais würden jetzt mehr über die traditionelle Sitzposition erfahren.

Foto: um 1860

Am 20. Juni legte Ladda nach. Wer es wagen sollte, sich nackt beim Planking abzulichten und diese Fotos zu veröffentlichen, beginge eine Straftat. Ladda werde sich dann an die Polizei sowie das Kommunikationsministerium (ICT) wenden, damit die entsprechenden Webseiten gesperrt werden. Daran anknüpfen werde sich eine strafrechtliche Verfolgung der Nackt-Posierer.



Ladda fügte hinzu, es sei nicht illegal, nackt fürs Planking zu posieren, wenn man alleine sei, dennoch warnte sie: „Das ist weder konstruktiv noch angemessen.“

Noch einmal wies sie darauf hin, daß sie „Pabpiab“ – Thailand Planking – begrüße. Mit Pabpiab werde „eine Krise in eine Chance verwandelt“, so Ladda.


...aber die nächste Krise bahnt sich schon an.


Was Planking betrifft, scheinen die Thai-Moralwächter überhaupt keinen Spaß zu verstehen: Eine 20 Jahre alte Touristin aus den Niederlanden stieg in Chiang Mai auf das Dach eines Autoverleihers, um dort fürs Planking zu posieren. Einige Dachziegel lösten sich, fielen auf die darunter stehenden Autos und beschädigten deren Dächer.

Ein Wachmann alarmierte die Polizei, die Holländerin wurde festgenommen. Sie gab zu, auf das Dach gestiegen zu sein, weil sie dort vom Planking ein Foto machen wollte. Sie bot der Firma Schadensersatz an. Die lehnte ab, erstattete Strafanzeige und will die 20jährige vor ein Gericht stellen. Sie habe nicht nur Sachbeschädigung, sondern auch Hausfriedensbruch begangen.

Ausgelöst wurde die Aufregung um Planking in Thailand, weil im Internet ein Foto auftauchte, das einen Mönch beim Planking auf einem Treppengeländer zeigt. Die Mahamakut Buddhist University hat eine Belohung von 5000 Baht in Aussicht gestellt für Hinweise, die zur Ergreifung dieses Mönchs führen.


Falls es sich wirklich um einen Mönch handele, werde man nach Feststellung seiner Identität dessen Abt informieren, damit dieser dem Planking-Mönch eine Rüge erteilen kann, denn Planking sei für buddhistische Mönche „nicht angemessen“, hieß es.

Anmerkung: Inzwischen musste dieser Mönch seine Robe abgeben und wurde zusätzlich mit einer Strafanzeige bedacht. Es könne nämlich der Eindruck entstehen, dass dieser Mönch vorgebe, frei schweben zu können und sich der Magie hingäbe.

Statt dessen wurde Mönchen empfohlen, sich in „Meditations-Planking“ zu üben, wenn sie denn in dem Trend eine Herausforderung sehen, die Lehren Buddhas anzuwenden.


Erfinderische Thais haben bereits die Synthese zwischen Planking und Pabpiab gefunden.


Dienstag, 21. Juni 2011

Wahlen in Thailand - Die Gehässigen



Lasst keine Tiere ins Parlament


Die PAD, People’s Alliance for Democracy, war einmal eine riesige Volksbewegung, die sich in der Zeit von 2005 bis September 2006 gegen den damaligen Premier Thaksin Shinawatra und von 2007 bis Ende 2008 gegen seine Nachfolger Samak Sundaravej und Somchai Wongsawat richtete. Anfänglich brachte sie während der „Montagsdemonstrationen“ Zehntausende von Anhängern auf die Strasse und legte jede Woche die verkehrsreiche Ratchaprasong-Kreuzung und ihre Zufahrtsstrassen lahm. Ihr äusseres Erkennungszeichen war und ist ein gelbes Polohemd oder T-Shirt. Gelb, die Farbe des Königs.

Der Protest der PAD gipfelte 2008 in der Besetzung, Plünderung und Verwüstung des Regierungsgebäudes und der Verwandlung des Geländes in einen Jahrmarkt,  Blockierung der Eingänge zu den Flughäfen in Krabi, Hat Yai und Phuket und schliesslich in der Besetzung des internationalen Flughafens Suvarnabhumi in Bangkok. Don Muang, der alte Flughafen und nur noch für Inlandflüge benutzt, wurde ebenfalls belagert.

Die Thais und die Welt fragten sich, wer Polizei und Militär daran hinderte, diesem lange anhaltenden Spuk ein Ende zu setzen. Spätestens bei der „geduldeten“ Besetzung des Flughafens Suvarnabhumi wurde auch dem Dümmsten klar, dass die Macht in Thailand nicht von einer demokratisch gewählten Regierung ausgeht. Das Schlagwort von der „Dritten Hand“ machte die Runde.

Die PAD beendete die Demonstrationen und Besetzungen von öffentlichen Institutionen erst, nachdem die Regierungspartei per Gerichtsbeschluss verboten und das Parlament aufgelöst wurde. Der bis dahin angerichtete wirtschaftliche Schaden war immens.

Die Gründerväter, Sondhi Limthongkul, ein Medienmogul, und General Chamlong Srimuang, ein Asket und Mitglied der sehr konservativen buddhistischen Sekte Santi Asoke, waren beide einmal Partner und Berater von Thaksin Shinawatra, bevor sie beschlossen, sich gegen ihn zu stellen.

Die PAD, als Wegbereiter für die jetzige vom Volk nicht gewählte Regierung, wiederholt ihre eigene  Geschichte. Sie stellt sich bei diesen Wahlen wieder einmal gegen einen ehemaligen Verbündeten, dieses Mal gegen die Regierungspartei der „Democrats“, überhaupt gegen alle politischen Parteien. Aber sie hat den grössten Teil ihrer Anhängerschaft verloren und stellt keine öffentliche Gefährdung mehr dar.

Die für den Zweck dieser Wahlen am 3. Juli gegründete Partei Puea Fa Din, Himmel und Erde, ruft zu einer Aufhebung, zumindest vorrübergehenden Aussetzung, des jetzigen parlamentarischen Systems zugunsten eines von oben eingesetzten Regierungskaders auf und fordert alle Urnengänger auf, keinen der Kandidaten zu wählen.

Das Wahlmotto der „Himmel und Erde“ Partei ist: „No Vote“.

Sie bedient sich dabei einer Methode, die in Thailand Empörung hervorruft, weil sie nicht dem Höflichkeitsideal in der Öffentlichkeit entspricht, nämlich die Gleichsetzung von Menschen mit Tieren.



Plakat der 1. Kampagne



Der Text auf den Plakaten lautet: „Lasst keine Tiere ins Parlament hinein.“

Diese abgebildeten Tiere haben in Thailand eine symbolische Bedeutung, die nicht unbedingt der des Westens entspricht. Ausserdem werden ihre Namen als Schimpfworte benutzt, deren Erwähnung zu ungesunden Reaktionen führen kann.

Der Wasserbüffel - Kwai...
...steht für Dummheit. Westliche Ausländer, die sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen, werden von den Einheimischen gerne so bezeichnet. Besonders den Bargirls kommt dieser Ausdruck oft über die Lippen, wenn sie untereinander über ihre Kunden reden.

Der Waran – Hia...
...steht für teuflisch. „Hia“ ist eines der schlimmsten Schimpfworte, welches es in Thailand gibt. Nicht gerade seltene Reaktionen darauf sind spontaner Totschlag oder tödliche Vendetta.

Der Hund – Sunak...
...steht einerseits als Strassenköter mit gefletschten Zähnen für Aggression und andererseits als jemand, der ständig dummes Zeug redet und keine Taten folgen lässt. Einer solchen Person wird ein Hundemaul unterstellt.

Der Affe – Ling...
...steht für schnell, wendig, schlau und bösartig. Die Banane in seiner Hand deutet vermutlich darauf hin, dass er als Nimmersatt hinterhältig stiehlt, was er will.

Der Tiger...Suea
...gilt als unberechenbar und grausam. Ein Thaisprichwort lautet: „Schönes Gesicht aber das Herz eines Tigers“, was „Vorsicht“ vor diesem Tier bedeutet. Er gilt als so stark, dass er selbst bei landläufig unterstellter Faulheit alles bekommt, was er will.

Die Himmel und Erde Partei hütet sich davor, einen Hinweis zu geben, wer mit welchem Tier gemeint ist. Es ist dem Betrachter überlassen, seine Schlüsse zu ziehen, je nachdem, auf welcher Seite er steht.    

Nachdem es Beschwerden zur ersten Kampagne gehagelt hatte, entschärfte die „Himmel und Erde“ Partei ihre Plakate ein wenig, fügte aber deutliche Hinweise hinzu, wer gemeint ist. Alle Plakate enthalten den Hinweis: „No Vote“. 



Plakate der 2. Kampagne
  


Von links nach rechts:

Der Tiger und das Krokodil...
...stehen für ein Thai-Sprichwort: „Dem Tiger entronnen und dem Krokodil ins Maul.“ Die blaue Kleidung steht für die Democrat Party und die rote für die „Puea Thai Party. Die beiden Hauptkontrahenten in dieser Wahl.

Die zwei Wasserbüffel...
...besagen: „Keine leichte Wahl, weil beide schlau sind?“ Das ist natürlich ironisch gemeint.

Die beiden Personen...
...sind der im Exil lebende ehemalige Premier Thaksin Shinawatra und der jetzige Premier Abhisit Vejjajiva. Sie haben Beulen auf dem Kopf. Der Text bedeutet: „Der 3. Juli, der Tag um den Politikern eins aufs Dach zu geben.“

Das letzte Plakat...
...besagt: “Schließe dich unserem Protest gegen die Politiker an. Nicht notwendig zu kandidieren.“

Aller Voraussicht nach werden die „Gelbhemden“ bei diesen Wahlen so gut wie keine Rolle spielen.  

Freitag, 17. Juni 2011

Thailand News der dritten Art - Planking




Kein Planking für buddhistische Mönche

Planking ist laut Wikipedia „eine Kunstform der Fotografie und ein Internet-Phänomen. Dabei legt sich eine Person mit dem Gesicht nach unten und seitlich angelegten Armen, als ob man in Habt-Acht-Stellung stehen würde, meist an öffentlichen Plätzen steif hin und läßt sich fotografieren.“






Zu trauriger Berühmtheit gelangte das hauptsächlich bei Jugendlichen beliebte Planking, als sich ein Australier am 15. Mai auf eine Balkonbrüstung legte, dabei abstürzte und verstarb.

Planking gibt es jetzt auch in Thailand. Phra Phrommolee, ein Mönch im Sangha Supreme Council, rief am 16. Juni alle Mönche dazu auf, sich nicht am Planking zu beteiligen.

Zwar gäbe es keine buddhistische Regel, die das Planking verbiete, das Planking sei aber sowohl für Mönche als auch Novizen unstatthaft, führte Phra Phrommolee aus. Im Internet tauchte ein Foto auf, auf dem ein Mönch beim Planking zu sehen ist.

Das Netzwerk zum Schutz von Nation, Religion und Monarchie war ebenfalls „not amused“ und verurteilte das Bild, weil es dem Buddhismus schade.

Wenn Mönche beim Planking erwischt werden, sollten diese ermahnt und darum gebeten werden, so etwas nicht wieder zu tun, sagte Phra Phrommolee.

Die berüchtigte Kulturoberaufseherin Ladda Tangsupachai ermahnte Eltern, sie sollten ihren Kindern erklären, daß Planking schaden und die Rechte Dritter verletzen könnte.

Auch das Gesundheitsamt griff Planking auf. Ausgerechnet der Direktor der Abteilung für Geistige Gesundheit, Apichai Monkol, verlautbarte, daß Eltern ihre Kinder beaufsichtigen sollten, wenn diese fürs Planking posieren. Außerdem sollten sich die Kinder nur „angemessene Orte“ zum Planking aussuchen.

Apichai meinte abschließend, daß Planking eine Modeerscheinung sei, die bald verschwinden werde, weil die Gesellschaft Planking mißbillige.


Text von Louis Anschel

Wahlen in Thailand - Sex ist kein Problem...sagt Chuwit




Das enfant terrible


Chuwit Kamolvisit repräsentiert den „sanuk“, Spaß, überhaupt alles, was kein intellektuelles Kopfzerbrechen in dieser bevorstehenden Wahl verursacht. Einst der Besitzer einer Massagesalon-Kette in Bangkok, in denen sexuelle Service-Leistungen zum selbstverständlichen Angebot gehörten, hat er nach dem Verkauf seiner „Waschstrassen“ im Jahre 2004 seine Lust am Schaumbad durch Lust an der Politik ersetzt.

Chuwits ehemalige Edel-Massagesalons wurden gerne von hochgestellten Persönlichkeiten aus Politik, Polizei- und Militärkreisen diskret besucht. 
  • Victoria's Secret
  • Honolulu
  • Hi-Class
  • Emmanuelle
  • Copacabana
  • Sea of Love 

Chuwit ist damit reich geworden, sehr reich sogar. Der Volksmund nannte ihn „Sia Ang“, Badewannen-Pate. Seine Teilhaber, zum Teil hochrangige Offiziere des Militärs und der Polizei, sowie seine HiSo (High Society) Beschützer aus den gleichen Kreisen, erfreuten sich ebenfalls größerer Summen, teurer Geschenke wie goldene Rolex Uhren und natürlich freien Service in seinen Salons.

Ein Ende von Chuwits Wasch-Karriere als Bordellkönig Bangkoks zeichnete sich 2003 ab, als eine Bulldozer-Kolonne am frühen Morgen noch in der Dunkelheit alle Bars und Geschäfte auf dem Sukhumvit Square, Soi 10, Sukhumvit Road, platt machte. Das Land gehörte Chuwit, bzw. seinem Firmenkonglomerat, der Davis Group. Die Besitzer der Bars und Geschäfte wurden nicht vorgewarnt und ihnen wurde nach dem Vorfall der Zugang zum Grundstück verweigert. Noch nicht einmal die Reste durften sie einsammeln. 

Die Empörung in Bangkok war groß, nicht nur unter den Geschädigten. Chuwit wurde verhaftet und verbrachte einen Monat im Gefängnis. Vermutlich hat er hinter Gittern gerast, denn die gleiche Institution, die seine „Zuwendungen“ immer gerne angenommen, beide Augen zugedrückt hatte, richtete sich plötzlich gegen ihn. Chuwit kam auf Kaution frei und ging sofort in die Offensive. Jahre später gewann Chuwit diesen Prozess mit der Begründung, es wäre ja dunkel gewesen und man könne ihm nicht nachweisen, die Bars und Geschäfte abgerissen zu haben. Stattdessen ging ein Rechtsanwalt der Abrissfirma in den Knast.

Chuwit schäumte. Er hätte die Räumung weder veranlasst noch etwas davon gewusst. Und viel wichtiger, es könne nicht sein, das ein Mitglied der „Familie“ dermaßen an den öffentlichen Pranger gestellt wird. Wenn man ihn nicht in Ruhe ließe, würde er die Namen aller Personen nennen, die in der Vergangenheit säckeweise Geld von ihm angenommen hätten. Besonders die Polizeibeamten.

Dazu muss man wissen, dass dies zum Sex-Geschäft in Thailand gehört, wie die Flossen der Fische zum Wasser. Förderung der Prostitution ist in Thailand strafbar. Deswegen die oft gehörte Ausrede der Massagesalonbesitzer, dass sie keine Ahnung hätten, was die Mädels über die Massage hinaus mit ihren Kunden in den Badezimmern in den oberen Stockwerken anstellen. Das wäre alleine ihre Sache. Da jeder weiß, was da abläuft und um sich vor gelegentlichen Polizei-Razzien oder gar Schließung zu schützen, wird der Polizeichef des Viertels inklusive einiger seiner höheren Beamten geschmiert. Und Ruhe ist. Das gilt einfach der Gehaltsaufbesserung der ansonsten verarmten Beamtenschaft.

Chuwit nannte eine sehr hohe Summe, die er über die Jahre abgedrückt hätte, 200 Millionen Baht, dazu die Anfangsbuchstaben einiger Namen.

Für die Medien war das ein gefundenes Fressen und ein riesiges Geschäft. Über Wochen bestimmte Chuwit die Schlagzeilen. Die Druckereien der Tageszeitungen standen nie still. Jeder in Bangkok wollte am Morgen wissen, ob Chuwit noch unter den Lebenden weilte, oder wie er umgekommen war. „A bullet is cheap in Thailand“, eine Patrone ist billig in Thailand, ein Auftragsmörder leicht gefunden.

Die Fernsehstationen konkurrierten untereinander um Interview-Termine mit Chuwit. Live Interviews mit ihm hatten Kultstatus. Ganz Bangkok saß begeistert vor dem Fernseher während der täglichen Nachrichten. Das war besser als die üblichen Soap Operas. Chuwit kündigte an, auf dem Grundstück einen öffentlichen Park errichten zu wollen. Das wäre doch viel schöner als Bars und billige Geschäfte und käme allen zugute. Das hat er tatsächlich. Der Park heißt „Chuwit Garden“.       

Chuwits Korruptionsvorwürfe gegen die Polizei veranlassten sogar den damaligen Polizeipräsidenten Sant Sarutanond zu einer Stellungnahme:

„Ich bin mir sicher, dass mehr als die Hälfte meiner Polizeibeamten ehrlich ist.“

Genial. Die in der thailändischen Gesellschaft tief verwurzelte Korruption mit einem einfachen Satz unbeabsichtigt auf den Punkt gebracht. „Mehr als die Hälfte ehrlich“ gilt in Thailand schon als lobenswerte Tatsache.

Chuwit verschwand gleich nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis für zwei Tage von der Bildfläche. Im Fernsehen erklärte er danach, er sei entführt worden. Er sei bereit zu sterben, hätte aber dafür gesorgt, dass die Liste der Empfänger seiner Bestechungsgelder und seiner HiSo Kunden nach seinem unfreiwilligen Tod sogleich veröffentlicht würde.

Die Wogen glätteten sich. Es kam zur Enttäuschung des Publikums nicht zu einer Veröffentlichung der Liste, einige Polizeibeamte wurden in weniger lukrative Stadtbezirke versetzt, d.h. in Stadtteile ohne Massagesalons oder sonstige Establishments.

Die Polizei führte Razzien in Chuwits Salons durch und beschuldigte ihn, Minderjährige in drei Fällen beschäftigt zu haben. Auch hier folgte später ein Freispruch. Chuwit hätte in gutem Glauben gehandelt. Die Personalausweise der Mädels wären gefälscht gewesen. Bald darauf verlor Chuwit die Lust am Massage-Geschäft und verkaufte seine „Badeanstalten“ für sehr gutes Geld.

Damit dies auch jeder mitbekam, zertrümmerte er vor dem Parlamentsgebäude öffentlich eine Jakuzzi-Badewanne mit einem Hammer. Spätestens dann gehörte er zu den berühmtesten Personen Bangkoks. „The Nation“, eine führende englischsprachige Tageszeitung in Thailand, kürte ihn zum Mann des Jahres 2003.  

Chuwit hatte Blut geleckt. Im Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu stehen, wollte er nicht mehr missen. Vielleicht hat ihm dies das Leben gerettet. Er war berühmt und wegen seiner kompromisslosen Art gegenüber der korrupten Polizei nicht gerade unbeliebt bei den Menschen in Bangkok. Die feixten sich einen weg, wenn Chuwit einmal wieder zum Rundumschlag ausholte.

Im Jahre 2004 kandidierte Chuwit zum ersten Mal für ein politisches Amt, dem Amt des Bangkok Gouverneurs. Er gewann 16% der Stimmen. Das ist recht ansehnlich für einen Außenseiter mit einer derartigen Vergangenheit. 2008 kandidierte er ein zweites Mal.

Auf seinen  Wahlplakaten erschien er mit wütender Miene und einem furchteinflössend erhobenen Hammer.

 Dies ist Chuwits Kult-Plakat und Klassiker zugleich. 
Zertrümmere die Betrüger,
stelle die Teuflischen bloß,
hab keine Angst vor den Einflussreichen. 


Chuwit geht bei der jetzigen Wahl am 3. Juli, 2011 für seine eigene Partei „Rak Prathet Thai“, „Ich liebe Thailand“ ins Rennen und hat nur zehn Kandidaten auf der Liste.

Er macht sich keine Hoffnungen auf eine größere Anzahl Sitze und erklärt sich von vorne herein zum Oppositionspolitiker, der ein Auge auf die schmutzigen Geschäfte der Regierung werfen wird. In den Augen Chuwits sind alle Politiker korrupt und mafiös.

Er müsse es ja wissen, da er selber einmal als Geschäftsmann Politiker und besonders hohe Polizeibeamte regelmäßig geschmiert habe. Er sei aber nun geläutert und werde für eine saubere Politik kämpfen, falls er auch nur einen einzigen Sitz im Parlament erhasche.

Auf die Problematik seiner früheren Tätigkeit im Sexgeschäft angesprochen, lautet seine süffisante Antwort:

„Sex ist kein Problem, keinen Sex zu haben ist das Problem.“
  
Seine Wahlplakate bilden ihn als grimmigen oder sich die Haare raufenden Mann ab. Jemand, der an der thailändischen Politik verzweifelt und ordentlich aufräumen will.


Manchmal kann der erste Eindruck täuschen. Die folgenden zwei Plakate stellen nicht etwa eine Bevorzugung von Kampfhunden im Vergleich zu Babys dar, sondern verbergen andere Botschaften, die aus dem Text hervorgehen. (s. Bildunterschrift)

Chuwit will der Korruption wie ein Kampfhund an den Kragen gehen




Politiker sind wie Baby-Windeln. Je öfter gewechselt um so besser sind sie.

Auch sein persönlich öffentlicher Wahlkampf ist originell. Chuwit hat eine gehörige Portion Humor. Manchmal kann man sich allerdings nicht sicher sein, ob er gewollt oder unfreiwillig witzig ist.



Viele Thais in Bangkok sind ihm wohlgesonnen und betrachten ihn als „funny man“, lustigen Mann, mit hohem Spaßfaktor, der einerseits Recht hat, aber wohl nicht ganz ernst genommen werden kann. Wer weiß, für die mit beiden großen Parteien unzufriedenen Wähler in Bangkok könnte er zum Protestkandidaten mutieren. 

Sollte er einen Sitz ergattern, stehen lustige und aufregende Sitzungen im Parlament bevor. Mögen meine Gebete erhört werden.


Eines steht jedoch fest. Die aufstrebende "Planking"-Gemeinde in Thailand hat ihn jetzt schon ins Herz geschlossen.




Auch die „Gelbhemden“ mischen im Wahlkampf mit. Allerdings anders, als man denkt. Davon im nächsten Bericht...